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Urbanes Poesie Labor – Neue Formen von Literatur an der Wolga

Ein Projekt von Barbara Anna Bernsmeier

Gastinstitution: Agentur für Kulturinitiativen Gebiet Wolgograd

Juni 2015, verschiedene Orte im öffentlichen Stadtraum, Wolgograd (Russland)

Wie können urbane Plätze auf die Entstehung von Literatur einwirken? Wie wird ein Text kollektiv? Und welche Darstellungsformen von junger Literatur können erdacht, erprobt und präsentiert werden? Diesen Fragen gingen die jungen Literaturschaffenden Josefine Berkholz (Leipzig), Tillmann Severin (Leipzig/Berlin) und Lena Vöcklinghaus (Berlin) nach, die in einer zehntägigen Intensiv-Werkstatt mit Nachwuchslyrikern und -schriftstellern aus Wolgograd zusammen arbeiteten. Mit den russischen Teilnehmern erforschten sie das Gelände einer ehemaligen Spiritusfabrik im Stadtteil Tulaka, und erarbeiteten im Anschluss einen gemeinsamen, kollektiven Text, bei dem die Sujetlinien, Figurenkonstellationen und Mythen eng mit dem Ort der Spiritusfabrik verwoben waren. Bei der Abschlussperformance und -lesung traten die deutschen und russischen Schriftsteller gemeinsam in einem leer stehenden Gebäude des Fabrikgeländes vor Publikum auf. Ebenso wurde ein aus sowjetischen Zeiten erhaltenes Amphitheater in einem Hof Ort für eine „Open Mike“-Veranstaltung, bei der Wolgograder Poeten, die Gäste aus Deutschland und Zuschauer ihre Verse und Kurzgeschichten frei dem Publikum vortrugen.

Ebenfalls besuchte die Augsburger Lyrikerin und Sängerin Lydia Daher das Festival in Wolgograd. Mit Studierenden der deutschen Philologie entwickelte sie in dem Workshop „Poesie im Fluss“ erste Versuche zu eigenen lyrischen Texten in deutscher Sprache. Die Abschlussveranstaltung fand auf einem Dampfer auf der Wolga statt, wo die Studierenden des Workshops ihre Texte vortrugen. Im Anschluss trat Lydia Daher gemeinsam mit dem Elektro-Pop-Duo Microwave Popcorn aus Wolshski auf – es entstand eine völlig neue Symbiose aus Dichterlesung, Performance und Konzert.

Förderer: Auswärtiges Amt im Rahmen des Jahres der deutschen Sprache und Literatur in Russland 2014/2015, Goethe-Institut Moskau, Robert Bosch Stiftung

Fotos: Elena Zimina