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polip - Internationales Literaturfestival

Ein Projekt initiiert von Lucia Zimmermann und weiterentwickelt von Elisabeth Desta und Nita Hasani

Gastinstitution: Qendra Multimedia

Oktober 2010, Pristina und Gračanica (Kosovo)
Mai 2012 und Mai 2013, Pristina (Kosovo)

polip lud 2010 erstmals junge Lyriker aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Österreich und Serbien nach Pristina ein, um ihre Texte darzubieten und sich über ihr lyrisches Schaffen auszutauschen. polip präsentierte junge Stimmen in verschiedenen Sprachen, die ihren eigenen Rhythmus, ihre spezifische Melodie und Musikalität entfalteten - an der Schnittstelle zwischen Wortkunst, Musik, Film und Performance.

An vier Tagen konnten 2010 Literaturinteressierte das facettenreiche Schaffen zeitgenössischer junger Lyriker kennen lernen. Die Autoren setzten sich, teilweise ironisch, mit aktuellen sozio-politischen Fragen auseinander: Beispielsweise mit Mechanismen des Vergessens oder Eliminierens der neueren Geschichte auf dem Balkan einerseits oder dem "Er-Schreiben" von nationalen Mythen andererseits. Sie streiften Fragen des Sagbaren, experimentierten mit Klang und sprachlicher Musikalität oder fingen die Stimmung ihres unmittelbaren Umfelds ein - sei es Berlin, Mostar oder Pristina.

Im vielfältigen Rahmenprogramm gab es Konzerte, Straßenpoesie-Events, Workshops zum literarischen Übersetzen und zum Verfassen von Gedichten, Diskussionen über regionale literarische Netzwerke und die Rolle von "kleinen" und "großen" Sprachen im Literaturbetrieb.

Die nachfolgenden Ausgaben setzten das Prinzip des Festivals fort und entwickelten es inhaltlich weiter.

Zum Namen: Der polip (Polyp oder Octopus) arbeitet wie ein Poet mit Tinte: Er stößt eine Tintenwolke aus, um ein Bild von sich zu schaffen. Mit diesem Phantombild verwirrt er den Angreifer und entgeht dessen Attacke. Der polip ist fähig, Fiktives zu schaffen - das hat er mit dem Dichter gemeinsam. Ein anderer Trick ist die Camouflage. Der polip wechselt die Farbe und damit sein Erscheinungsbild und schafft so eine neue Ästhetik, die auf unterschiedliche Art und Weise rezipiert werden kann. Dieser "polipische" performative Akt ist vergleichbar mit dem poetischen Gebrauch von Sprache. Der Dichter erschreibt aus dem vorhandenen Wortmaterial ein neues Artefakt, schafft verschiedene Bedeutungsebenen und eröffnet damit unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten.

Partner und Förderer: forumZFD, Tetris und Dit´ e Nat´, Goethe-Institut Belgrad, Gemeinde Pristina, Robert Bosch Stiftung, Kosovarisches Kulturministerium, Internationales Olof Palme Center