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Secret Capital. The Intersections of Art and Economy

Ein Projekt von Katja Melzer und Karin Rolle

Gastinstitutionen: Lenau-Haus und Protok - Center for Visual Communication

April/Mai 2011, Pécs/Fünfkirchen (Ungarn) und Banja Luka (Bosnien und Herzegowina)

Das mehrmonatige Recherche- und Ausstellungsprojekt thematisierte die Schnittstellen zwischen Kunst und Wirtschaft. Es arbeitete auf zwei Ebenen: Studierende und Experten aus Bosnien und Herzegowina, Deutschland und Ungarn entwickelten Projekte, die aus einer künstlerischen Perspektive die wirtschaftlichen Transformationen in Mittel- und Südosteuropa beschrieben. Auf einer reflexiven Ebene befragten sie die sozio-politischen Bedingungen kreativen Schaffens. Unter dem Stichwort "Kreativwirtschaft" diskutierten sie deren Möglichkeiten und Grenzen in der Region.

1. Künstlerische Perspektive

Als Auftakt stellten die Künstler Mladen Miljanović (Banja Luka), Csaba Nemes (Budapest und Pécs/Fünfkirchen) und Henrik Schrat (Berlin) in einer Panel-Diskussion ihre Positionen zur Beziehung von Kunst und Wirtschaft vor.

Unter der Leitung von Henrik Schrat erarbeiteten 11 Studierende der Kunstakademien in Banja Luka und Pécs/Fünfkirchen in einem Workshop eigene Projektideen. Unter der Leitung von Mladen Miljanović und Csaba Nemes präsentierten sie die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit und diskutierten rege mit zahlreichen Besuchern. So zeigte beispielsweise Ljubiša Pušac in Pécs/Fünfkirchen Videos und Fotografien, die die ökologischen Folgen eines Tagebaus im Norden von Banja Luka untersuchten. László Ormay thematisierte in Banja Luka Korruption bei Umbaumaßnahmen im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 in Pécs/Fünfkirchen. Die Studierenden erlernten, intensiv konzeptuell in Projekten zu arbeiten. Ironie und Spürsinn für brisante Themen verbanden ihre Werke.

2. Sozio-politische Perspektive

In einem Vortrag an der Universität Banja Luka führte die Soziologin Dr. phil. Alexandra Manske (Berlin) in die Debatte um die "Creative Industries" ein. Die Kreativwirtschaft wird einerseits als Zugpferd für wirtschaftlich schwache Regionen angesehen und zeigt andererseits folgendes Dilemma auf: "Die Kreativen" sollen zwar zum Imagegewinn de-industrialisierter Gebiete beitragen, sie selbst arbeiten aber zumeist unter prekären Bedingungen. In der anschließenden öffentlichen Diskussion wurde die Debatte auf den Raum Südosteuropa übertragen, wo es vor dem Hintergrund erstarkender nationaler Traditionen zu allererst notwendig erscheint, Sensibilität für Kreative und Andersdenkende zu entwickeln.

Partner und Förderer: Kunstakademien in Banja Luka und Pécs/Fünfkirchen, Nádor Galéria, Szoba, Stadt Banja Luka, Goethe-Institut Budapest, Robert Bosch Stiftung

Fotos: Bálint Rádóczy, Mladen Miljanović, Ninoslav Kovačević