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BorderSpeaking. Eine neue Sicht auf die Grenze

Ein Projekt von Bernd Vogenbeck

Gastinstitution: Stiftung Borussia

Mai 2010, Braniewo, Bartoszyce, Węgorzewo und Gołdap (Polen)

Trotz der beschleunigten politischen Entwicklungen nach Ende des Kalten Krieges kann Europa bis heute noch nicht als geografischer Raum ohne politische Grenzen gelten. Am eindringlichsten ist das dort zu spüren, wo die Grenzen der heutigen EU auf Länder treffen, die ihr nicht angehören. Von Olsztyn/Allenstein sind es nur wenige Kilometer bis zu dieser Grenze, hinter der ein Gebiet liegt, das so bedrohlich erscheint wie es geheimnisvoll geblieben ist für die Bewohner der grenznahen Orte.

Gemeinsam mit den Kulturzentren der an der polnisch-russischen Grenze gelegenen Städte Braniewo, Bartoszyce, Węgorzewo und Gołdap lud die Stiftung Borussia mit dem Projekt "BorderSpeaking" dazu ein, die in greifbarer Nähe verlaufende Grenze im Geiste zu überschreiten.

In allen Orten wurde die Dokumentation "La Frontière Intérieure" von Simon Brunel und Nicolas Pannetier präsentiert, die den Alltag entlang der bis 2004 bestehenden Schengen-Außengrenze zwischen Triest und Świnoujście darstellt. Im Anschluss diskutierte das Publikum über die Situation der an das Kaliningrader Gebiet grenzenden Gemeinden und die Beziehungen zu diesem Gebiet. Das große Interesse der Einwohner fand seinen Ausdruck in lebhaften Debatten: Die im Film portraitierte Situation an der "alten" - bis 2007 von der Adria bis an die Ostsee reichenden - Schengen-Grenze wurde mit den alltäglichen Erfahrungen, Problemen und Hoffnungen der Menschen an der polnischen Nordgrenze zu Russland kontrastiert.

In den Debatten wurde deutlich, dass die Grenze nicht als gesellschaftliche oder kulturelle Trennlinie verstanden oder akzeptiert wird. Gleichwohl wurde eine vereinfachte Sicht abgelehnt, die auf politische und wirtschaftspolitische Erwägungen als größte Hemmnisse oder mögliche Beschleunigungsfaktoren einer raschen Öffnung verweist. Kultureller Dialog, wirtschaftliche Kooperation und politische Gespräche können für sich genommen keine tief greifende Änderung bewirken, zusammen genommen und aufeinander abgestimmt können sie indes neue Perspektiven eröffnen - und zu einer neuen Sicht auf die Grenze beitragen.

Förderer: Goethe-Institut Warschau, Robert Bosch Stiftung
Fotos: Fundacja Borussia