Lese- und Diskussionsveranstaltungen mit der Autorin Sarah Rehm
Sachbericht zu den Lese- und Diskussionsveranstaltungen mit der Autorin Sarah Rehm in Mostar und Sarajevo am 6. und 7. April 2010
Ein Projekt von Sibylla Hausmann, Robert Bosch Kulturmanagerin am Jungen Theater Mostar, Bosnien und Herzegowina.
In Kooperation mit dem Goethe-Institut Bosnien und Herzegowina.
Teilnehmer: Autorin Sarah Rehm, Moderatorin und Dolmetscherin Hana Stojić (traduki), Rezitatorinnen Martina Kujunđić-Đaković (Junges Theater Mostar) und Aida Krehić (Sarajevo), öffentliches Auditorium
Anstoß für die Einladung von Sarah Rehm und die Übersetzung eines Auszugs aus ihrem aktuellen Romanprojekt „Splitter in Gedanken“, einem Text, der zum Teil in Bosnien und Herzegowina spielt, waren folgende Fragen:
Warum beschäftigen sich viele junge Autoren aus Deutschland in ihren Texten mit der Region Südosteuropa, insbesondere mit Bosnien und Herzegowina (BH)? Inwiefern hat BH in Deutschland bereits den Status eines Mythos, der immer wieder zu neuen Geschichten inspiriert? Inwiefern kann das Land mit seiner hochkomplexen Geschichte und gesellschaftlichen Situation aus deutscher Sicht besser auf eine fiktive Weise präsentiert werden? Behindert der Prozess der Mythenbildung das Verständnis für die Region – oder ist er als positiv zu werten im Sinne einer Motivation zur Auseinandersetzung mit BH? Hilft er dabei „das Unheimliche vertraut und ansprechbar zu machen“ (Hans Blumenberg)?
Mostar, 6. April 2010, club galerija KONCEPT
Die Veranstaltung fand in einem Kultur-Café in studentischer Atmosphäre statt. Der gewählte Auschnitt aus „Splitter in Gedanken“ wurde auf Deutsch und auf „Bosnisch-Kroatisch-Serbisch“ gelesen. Daraufhin befragte Hana Stojić die Autorin unter anderem über ihre Motivation, einen Roman über Bosnien und Herzegowina zu schreiben. Ausführlich und persönlich ging die junge Autorin auf ihre Kindheitserinnerungen an den in den Medien mitverfolgten Bosnienkrieg ein. Konzentriert verfolgte das Auditorium Lesung und Autorengespräch. Nach Abschluss der Podiumsdiskussion gesellte sich die Autorin kleineren Gesprächsgruppen zu, die Gelegenheit zur Autogrammstunde wurde genutzt.
Sarajevo, 7. April 2010, Goethe-Institut
Die Lesung und Diskussion fand im Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts statt. In offiziellem Ambiente fand sich eine Zuhörerschaft mit höherem Altersdurchschnitt ein als in Mostar. Mehrere Anwesende hatten die im Roman beschriebene Belagerungszeit in Sarajevo selbst miterlebt. Im Anschluss an die Lesung gab es im Saal des Sarajevoer Goethe-Instituts eine lebhafte und kontroverse Diskussion. Während der Text gerade von jenen, die die im Roman beschriebene Zeit selber durchlebt hatten, positiv aufgenommen wurde, gab es von anderer Seite Kritik und Zweifel an der Authentizität der gehörten Szenen: Ist es erlaubt, Fakten und Fiktion zu vermischen, oder muss es eine klare Trennung dieser Ebenen geben? Am Ende der Diskussion überwog die Wertschätzung der Recherchearbeit – Rehm arbeitet seit sechs Jahren an ihrem Roman, unternimmt Reisen, führt Interviews und recherchiert in Archiven – und der literarischen Qualität des Gehörten. Ein differenzierteres Bild über Bosnien und Herzegowina zu entwerfen, jenseits vom Bild des „blutig-barbarischen Balkan“, ist nach Meinung des Auditoriums erwünscht und notwendig.
Ein Projekt von Sibylla Hausmann, Robert Bosch Kulturmanagerin am Jungen Theater Mostar, Bosnien und Herzegowina.
In Kooperation mit dem Goethe-Institut Bosnien und Herzegowina.
Teilnehmer: Autorin Sarah Rehm, Moderatorin und Dolmetscherin Hana Stojić (traduki), Rezitatorinnen Martina Kujunđić-Đaković (Junges Theater Mostar) und Aida Krehić (Sarajevo), öffentliches Auditorium
Anstoß für die Einladung von Sarah Rehm und die Übersetzung eines Auszugs aus ihrem aktuellen Romanprojekt „Splitter in Gedanken“, einem Text, der zum Teil in Bosnien und Herzegowina spielt, waren folgende Fragen:
Warum beschäftigen sich viele junge Autoren aus Deutschland in ihren Texten mit der Region Südosteuropa, insbesondere mit Bosnien und Herzegowina (BH)? Inwiefern hat BH in Deutschland bereits den Status eines Mythos, der immer wieder zu neuen Geschichten inspiriert? Inwiefern kann das Land mit seiner hochkomplexen Geschichte und gesellschaftlichen Situation aus deutscher Sicht besser auf eine fiktive Weise präsentiert werden? Behindert der Prozess der Mythenbildung das Verständnis für die Region – oder ist er als positiv zu werten im Sinne einer Motivation zur Auseinandersetzung mit BH? Hilft er dabei „das Unheimliche vertraut und ansprechbar zu machen“ (Hans Blumenberg)?
Mostar, 6. April 2010, club galerija KONCEPT
Die Veranstaltung fand in einem Kultur-Café in studentischer Atmosphäre statt. Der gewählte Auschnitt aus „Splitter in Gedanken“ wurde auf Deutsch und auf „Bosnisch-Kroatisch-Serbisch“ gelesen. Daraufhin befragte Hana Stojić die Autorin unter anderem über ihre Motivation, einen Roman über Bosnien und Herzegowina zu schreiben. Ausführlich und persönlich ging die junge Autorin auf ihre Kindheitserinnerungen an den in den Medien mitverfolgten Bosnienkrieg ein. Konzentriert verfolgte das Auditorium Lesung und Autorengespräch. Nach Abschluss der Podiumsdiskussion gesellte sich die Autorin kleineren Gesprächsgruppen zu, die Gelegenheit zur Autogrammstunde wurde genutzt.
Sarajevo, 7. April 2010, Goethe-Institut
Die Lesung und Diskussion fand im Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts statt. In offiziellem Ambiente fand sich eine Zuhörerschaft mit höherem Altersdurchschnitt ein als in Mostar. Mehrere Anwesende hatten die im Roman beschriebene Belagerungszeit in Sarajevo selbst miterlebt. Im Anschluss an die Lesung gab es im Saal des Sarajevoer Goethe-Instituts eine lebhafte und kontroverse Diskussion. Während der Text gerade von jenen, die die im Roman beschriebene Zeit selber durchlebt hatten, positiv aufgenommen wurde, gab es von anderer Seite Kritik und Zweifel an der Authentizität der gehörten Szenen: Ist es erlaubt, Fakten und Fiktion zu vermischen, oder muss es eine klare Trennung dieser Ebenen geben? Am Ende der Diskussion überwog die Wertschätzung der Recherchearbeit – Rehm arbeitet seit sechs Jahren an ihrem Roman, unternimmt Reisen, führt Interviews und recherchiert in Archiven – und der literarischen Qualität des Gehörten. Ein differenzierteres Bild über Bosnien und Herzegowina zu entwerfen, jenseits vom Bild des „blutig-barbarischen Balkan“, ist nach Meinung des Auditoriums erwünscht und notwendig.