MENDELSOHN SALON
»JUNGES ERINNERN – Literarischer Abend mit Kevin Vennemann«
14. August 2008
in der Multimediabibliothek Planeta 11
Der zweite MENDELSOHN SALON des Jahres 2008 war der Literatur gewidmet. Ausgangspunkt war die Frage, warum und auf welche Weise sich junge deutsche Künstler mit europäischer Geschichte auseinander setzen. Für den MENDELSOHN SALON ist dabei die Auseinandersetzung mit der Geschichte der europäischen Juden von besonderem Belang. Der Autor Kevin Vennemann aus Berlin erwies sich in dieser Frage als äußerst interessanter Gesprächspartner. Vorgestellt wurde er mit seinem Buch „Nahe Jedenew“, das bereits auf Polnisch und vielen weiteren Sprachen erschienen ist. Das Werk verdichtet eine Vielzahl an Pogromen in ganz Europa in einem sehr anspruchsvollen fiktiven Text. Seine Herangehensweise ist sehr künstlerisch und rief viele Fragen an seine Motivation hervor. Auch durch den Titel „Nahe Jedenew“ wurden in Polen sofort Parallelen zu den Ereignissen in Jedwabne gezogen. Ausschnitte des Textes in deutscher Sprache wurden vom Autor selbst vorgetragen, aber auch auf Polnisch wurden ausgewählte Ausschnitte vorgelesen. Vennemann als Person und sein Text beeindruckten die Besucher nachhaltig.
Der Abend war inhaltlich auch auf anderer Ebene wichtig. In Deutschland und auch in Polen ist immer wieder Thema, wie sich junge Menschen, die den Zweiten Weltkrieg nicht erlebt haben, künstlerisch und wissenschaftlich zu den historischen Ereignissen äußern können. Manchmal steht sogar zur Debatte, ob sie sich äußern dürfen. Vennemann ist ein Beispiel für einen jungen Künstler, der für sich nicht nur das Recht beansprucht, zu historischen Themen zu arbeiten, sondern sich zudem sehr selbstbewusst der Diskussion stellt.
Die Bibliothek Planeta 11 als Veranstaltungsort war in dieser Hinsicht interessant, da sie sehr viele junge Nutzer hat und deutsche Literatur bisher nur selten Thema von Lesungen war.
Die Veranstaltung wurde finanziell unterstützt von der Robert Bosch Stiftung, dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig sowie der Stadt Olsztyn.
Kontakt
v.l.n.r. Aneta Jachimowicz, Kevin Vennemann, Kornelia Kurowska