Sitemap Kontakt Impressum

2. Literarischer Frühjahrssalon

2. Literarischer Frühjahrssalon der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft und der Stadt Ruse

Ein Projekt von Stefanie Hübner, Kulturmanagerin in der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft, Ruse, Bulgarien

4. bis 9. April 2009

Die Lesungen, Diskussionen, Workshops und Präsentationen der Veranstaltungsreihe standen unter dem Vorzeichen von Begegnung und Austausch – der jungen deutschen Autoren mit ihren Kollegen aus Bulgarien und Mazedonien ebenso, wie des Publikums mit einer Vielzahl unterschiedlicher Literaturangebote.
Die Veranstaltungsreihe wurde am Samstag, 4. April 2009 mit einer Lesung der renommierten und über bulgarische Grenzen hinaus bekannten Autorin Teodora Dimova eröffnet. In der stimmungsvollen Atmosphäre des Art Café Teatr im Dohodno Zdanie las die Autorin vor ungefähr 30 Zuhörern aus ihrem aktuellen Roman „Adriana“.
Der Sonntagabend stand ganz im Zeichen der Lyrik. Mit Mara Genschel, Jan V. Röhnert, Nikola Madzirov und Fedja Filkova konnte dem Publikum eine Gruppe Lyriker präsentiert werden, deren Zusammentreffen nicht nur linguale und geografische, sondern auch generationenspezifische Brücken schlug. Die deutschen und mazedonischen Texte wurden zunächst von den AutorInnen in der Originalsprache und anschließend von Teodora Kopcheva auf Bulgarisch gelesen. Die Vielsprachigkeit der Veranstaltung und die angenehme Atmosphäre der Österreich-Bibliothek trugen dazu bei, die ca. 40 Zuhörer in eine Welt des Klanges zu entführen und Nikola Madzirovs Verse „mein Wort ist so wertvoll/ wie eine alte Uhr, ein Erbstück, das die Zeit nicht misst“ für alle fühlbar werden zu lassen.

Montag und Dienstag fanden drei Workshops mit anschließenden Präsentationen statt, welche die Schüler der Rusener Sprachgymnasien und die Philologiestudenten aus Schumen und Veliko Tarnovo einluden, jeweils von 10 bis 18 Uhr über literarisches Schreiben zwanglos ins Gespräch zu kommen und sich anhand kleiner Schreibaufgaben selbst auszuprobieren.
Mara Genschel und Nikola Madzirov hatten gemeinsam das Konzept für einen Lyrikworkshop entwickelt, in dem Vielsprachigkeit und Austausch im Mittelpunkt standen. Dass die deutsche Sprache mit allen anderen Sprachen auf verschiedene Weise verschwistert ist, machte die Suche – in fremden wie auch in „heimatlichen“ Gefilden – natürlich umso spannender. Das Konzept stieß bei den 10 Teilnehmern auf Begeisterung und setzte genügend Inspiration frei, dass am Ende des Workshops eine ganze Reihe eigener Gedichte präsentiert werden konnten.
Leonie Bongartz, die selbst Drehbücher und Hörspiele verfasst, gab in ihrem Workshop einen Einblick in die Grundtechniken und wesentlichen Begriffe des Drehbuchschreibens. Im praktischen Teil des Workshops schrieben die 12 Teilnehmer angeregt durch freie Impulse kurze Drehbuchdialoge bzw. die Skizze zu einer Exposition.
Am Dienstag schloss sich der Essayworkshop von Jan Röhnert an. Zentrales Thema des Workshops waren „Lieblingswörter“. Diese wurden zunächst in Essays von Peter Handke und Marica Bodrozic gesucht und gefunden und dienten dann als Inspiration für eigene Essays.

Am Mittwoch, den 8. April las mit Georgi Grosdev, dem Gründer und Inhaber des renommierten Balkani Verlags eine der Größen des bulgarischen Literaturbetriebs. Nach Auszügen aus seinen Romanen „Beute“ sowie „Wolf mit Mond und Sonne“ kam es zu einer angeregten Diskussion mit den Zuhörern, die sich im Klub na kulturnite dejtzi versammelt hatten.
Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildete die Lesung der Schweizer Autorin Noëlle Revaz, die im April als HALMA-Stipendiatin zu Gast bei der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft war und in Ruse lebt und arbeitet. Sie las aus ihrem zweiten, noch unveröffentlichten Roman „Efina“. Der Auszug war zuvor aus dem Französischen ins Bulgarische übersetzt worden und wurde von einer Schauspielerin des Rusener Stadttheaters, gelesen.
Die Veranstaltungsreihe verlief für alle Beteiligten überaus erfolgreich und trug dazu bei, den Literarischen Frühjahrssalon als festen Termin im Kulturkalender der Stadt zu etablieren.