Deutsch-polnisch-israelische Geschichtswerkstatt „Vergegenwärtigung des Vergangenen“ mit ehemaligen Breslauer Juden
Ein Projekt von Ulrike Pötzsch, Kulturmanager-Alumna, EDITH STEIN HAUS, Breslau/Wroclaw, Polen
Vom 12. bis 19. Juli 2009 wurde das EDITH STEIN HAUS zum Ort der Begegnung zwischen jungen deutschen und polnischen Akademikern und jüdischen Zeitzeugen aus Israel, ehemaligen Bewohnern Breslaus, die sich durch ihre Emigration in den 1930er Jahren vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten retten konnten.
Das Publikum nutzte aktiv die Gelegenheit, direkte Fragen an unsere Gäste aus Israel zu richten. Hannah Spier (geb. 1923), Chanan Hadar (geb. 1919) und Gavriel Holzer (geb. 1923) gehören dem „Verband ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel“ an und waren von der Zielsetzung des Projekts sofort begeistert, ihre persönlichen Erinnerungen in Form der Begegnungen und eines dabei entstehenden Dokumentarfilms für künftige Generationen zu sichern.
Eine Woche lang widmeten sich die Teilnehmer aus Polen und Deutschland den persönlichen Schicksalen dieser drei ehemaligen Breslauer Juden, die auf Einladung der Edith Stein Gesellschaft gemeinsam mit Begleitpersonen noch einmal in die Stadt ihrer Kindheit gekommen waren. Durch Gespräche und gemeinsame Besuche von Orten, an welche die Zeitzeugen noch lebhafte Erinnerungen haben, ist es den Teilnehmern gelungen, sich die untergegangene jüdische Welt der Vorkriegszeit zu vergegenwärtigen.
Am Samstagabend, den 18. Juli 2009 fand im Salon des EDITH STEIN HAUSES die öffentliche Abschlusspräsentation dieser ereignisreichen und emotional sehr bewegenden Begegnungswoche statt. Bei dieser Präsentation, die von über 120 Gästen mit regem Interesse verfolgt wurde, stellten die Teilnehmer die Lebensgeschichten der Zeitzeugen vor und berichteten anhand zahlreicher Fotos und Dokumente von der gemeinsamen Spurensuche der vergangenen Tage. Orte wie die ehemaligen Wohnhäuser und Schulen, aber auch der neue jüdische Friedhof und die Synagoge gehörten zu den Stationen dieser Vergegenwärtigung des Vergangenen.
Offen und ehrlich schilderten Hannah Spier, Chanan Hadar und Gavriel Holzer den Projektteilnehmern und dem Publikum, wie sie die 1930er Jahre in Breslau erlebten und wie sie sich durch ihre Emigration retten konnten. In ihren Wortbeiträgen unterstrichen alle drei Zeitzeugen sowie der Vorsitzende des Verbands Benjamin Sklarz, welch unbeschreiblich große Bedeutung diese Einladung und der herzliche Empfang für sie alle habe und mit welch positiven Eindrücken sie nach Israel zurückkehren werden.
Doch damit ist das Projekt noch nicht beendet. In Nachbereitung der Begegnung wird das gesammelte Filmmaterial nun zu einem Dokumentarfilm zusammengestellt, der bei der alljährlichen Veranstaltung zur Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 in der einzigen erhaltenen Synagoge von Wrocław, der Synagoge „Zum Weißen Storch“, seine öffentliche Premiere hat. Es ist vorgesehen, diesen Film möglichst breit und mehrsprachig zugänglich zu machen. Weitere Informationen hierzu sind ab November 2009 auf der Internetseite der Edith Stein Gesellschaft zu finden. www.edytastein.org.pl
Das Projekt wurde neben der Robert Bosch Stiftung unterstützt durch die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung, das Goethe-Institut Warschau und den BKM, vertreten durch den Kulturreferenten für Schlesien am Schlesischen Museum Görlitz.
Schirmherren des Projekts sind Władislaw Bartoszewski und Rafał Dutkiewicz, der Stadtpräsident von Wrocław.