Literatur im Gespräch – Deutschsprachige Literatur aus Rumänien – Lesung mit Cătălin Dorian Florescu und Gründung des Literaturkreises Hermannstadt
Ein Projekt von Sophie Werner, Kulturmanagerin am Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt, Rumänien
Datum Lesung: 30. Mai 2009
Veranstaltungsort Lesung: Erasmus Büchercafé
Das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt hat gemeinsam mit dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und dem Jugendforum der Deutschen in Hermannstadt (ADJ) am 30. Mai ins Erasmus Büchercafé zur Gründung des Literaturkreises Hermannstadt eingeladen. Zu diesem Anlass hat der in Zürich lebende freie Schriftsteller und Chamisso-Preisträger Cătălin Dorian Florescu aus seinem 2008 erschienenen Roman „Zaira“ in Deutsch und Rumänisch gelesen. Mit der Lebensgeschichte der gleichnamigen Protagonistin thematisiert Florescu hier den fortwährenden Balanceakt zwischen nationaler Identität und einer globalisierten Welt. Gebannt folgte das Publikum dem Autor, als er von den ersten Schreien und Schritten von Zaira, die in einem kleinen rumänischen Dorf in eine wohlhabende Familie hineingeboren wird, kurz nach der Geburt von ihrer vergnügungssüchtigen Mutter verlassen wird und von diesem Trauma ihr ganzes Leben lang in Amerika und Rumänien heimgesucht wird, vorlas. Besonders Florescus Worte zu seiner Vita, seinem Werk, das sich oft zwischen der Schweiz und Rumänien abspielt, aber auch zum Prozess des Schreibens, den Bedingungen, die man zum Schreiben braucht: „Fragen soll man stellen. Habe ich wirklich etwas zu sagen? Wenn ja, dann tue man es unbedingt und substantiell. Man setze auf die gründliche Recherche, auf das offene Ohr und die Neugierde für die Umwelt. Man entwickle und verfeinere einen Sinn für interessante, ja notwendige Inhalte [...] Die Geschichten sind unter uns [...], man muss nur richtig fragen und richtig zuhören,” waren interessante und willkommene Tipps gerade für die zukünftigen Teilnehmer des Literaturkreises-Hermannstadt.
Am 12. Juni 2009 haben sich dann 15 Interessenten in der Bibliothek des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt zum ersten Treffen des Literaturkreises Hermannstadt eingefunden, um die deutschsprachige Literatur aus Rumänien im Gespräch näher kennen zu lernen und sich von nun an einmal im Monat in angenehmer und lockerer Atmosphäre im Rahmen des Literaturkreises Hermannstadt zu treffen und literarisch zu entfalten.
Der Literaturkreis Hermannstadt bietet jungen und älteren deutschsprachigen Autoren ein Podium, um über den kreativen Prozess des Schreibens zu reflektieren und zu diskutieren. Hier wird Literatur seine Zuhörer finden. Ausgehend von literarischen Texten werden die Teilnehmer unter der Anleitung eines Mentors durch Diskussionen und Gedankenaustausch angeregt, ihre eigenen literarischen Beiträge zu produzieren, die schließlich auch veröffentlicht werden sollen. Als Gastreferenten werden unter anderem auch namhafte Schiftsteller und Literaturwissenschaftler eingeladen.
Die erfolgreiche Lesung dreier junger Autoren im Rahmen der ifa-Literaturlesereihe im Dezember 2008 und das Engagement einer Studierenden der Lucian-Blaga-Universität-Sibiu gaben unter anderem den Anstoß zur Realisierung des Literaturkreises. Die damals vorgestellten Schriftsteller waren Mitglieder der „Stafette“, einem Literaturkreis aus Temeswar, der seinerseits bereits auf eine 15- jährige Geschichte zurückblicken kann.
Förderer: Robert Bosch Stiftung, Institut für Auslandsbeziehungen e.V., Jugendforum der Deutschen in Hermannstadt (ADJ), Goethe-Institut Bukarest