Ausstellungsprojekt von Kamen Stoyanov „Places where the world breaks away: Let´s go to Giurgiu!“
PLACES WHERE THE WORLD BREAKS AWAY. LET´S GO TO GIURGIU!
Ein Projekt von Kamen Stojanov
Kuratoren: Vladyia Mihaylova und Timo Köster, Kulturmanager-Alumnus an der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft, Ruse, Bulgarien
Kamen Stoyanovs „Places where the world breaks away: Let´s go to Giurgiu!“ war ein dreiteiliges Ausstellungsprojekt, das an drei verschiedenen Orten stattfand:
- Performance in der Sofia Art Gallery am 5.Oktober 2007
- Ausstellung im Canetti-Haus in Ruse vom 9. Oktober 2007 bis zum 1. November 2007.
- Ausstellung im Rahmen der Plattform für junge zeitgenössische Künstler „A place to meet“ in der Galerie „Vaska Emanouilova“ in Sofia vom 8. November 2007 bis 9. Januar 2008.
Am 2. Januar 2007 organisierte der Bürgermeister von Ruse anlässlich des Beitritt Bulgariens und Rumäniens zur EU, für die Ruser Bürger eine kostenlose Fahrt in die benachbarte rumänische Grenzstadt nach Giurgiu. Kamen Stoyanovs Film „Let´s go to Giurgiu!“ dokumentiert dieses Ereignis. Die Arbeit bildet das Kernstück des Ausstellungsprojekts.
Als Teilnehmer an jener Fahrt nahm Stoyanov einen historischen Moment für Bulgarien aus der Perspektive eines gewöhnlichen Bürgers auf, der mit seinen ganz persönlichen Erwartungen und Hoffnungen zum ersten Mal die Landesgrenze nach Rumänien überquerte. So gelang ihm eine sehr persönliche Betrachtung dieses bedeutenden politischen Ereignisses, dem Beitritt Bulgariens in die EU. Um diese persönliche Dimension noch zu unterstreichen, sammelte Stoyanov im Nachgang private Fotos von Bürgern, die ebenfalls an der Fahrt teilnahmen, um diese im Rahmen des Ausstellungsprojektes in Ruse und in der Galerie Vaska Emanouilova in Sofia zu präsentieren.
Der Transformation von Betrachtungsmaßstäben eines Ereignisses gilt Stoyanovs besonderes Interesse. Neben der Filmdokumentation „Let´s go to Giurgiu!“ beinhaltet das Ausstellungsprojekt vier weitere Videoarbeiten des Künstlers, gefilmt in Rom, Paris, Berlin und Bukarest. Jede einzelne beschäftigt sich mit – mal merkwürdigen, mal zufälligen oder unerwarteten – Handlungen im öffentlichen Alltag, bei denen die „großen“ Themen der Gegenwartskultur in einem anderen Licht erscheinen. Folgende Probleme finden dabei insbesondere das Interesse des Autors und bestimmen das Thema der jeweiligen Videoarbeit:
- das zeitgenössische Museum mit seiner spezifischen Praxis kultureller Repräsentation, betrachtet vor dem Hintergrund der Dynamik der sich verändernden Welt außerhalb der Räume des Museums: „Roma Open Air Museum“, 2006.
- Emigration und heutige Formen des Nomadentums in verschiedenen kulturellen und politischen Kontexten: „Move your hands“, 2007.
- der Einfluss Hollywoods auf die Gesellschaft – sowohl in Bezug auf die Bilder, die unsere Kultur prägen als auch auf Marketingstrategien und Erfolgsgeschichten: „Don´t move your head, don´t move your hands, don´t move your lips, and you will succeed…“, 2006.
- der Status des Kunstwerks, die Ausdehnung des Kunstbegriffs und die Präsentationstechniken von Kunst in der heutigen Gesellschaft: „Underground Butterflies“, 2007.
Die Integration der verschiedenen Videoarbeiten in das Ausstellungskonzept „Places where the world breaks away: Let´s go to Giurgiu!“ beabsichtigt die Betonung der Rolle des Künstlers als Dokumentarist und Entdecker verschiedener Praktiken und Ereignisse des Alltäglichen. Jedes dokumentierte Ereignis repräsentiert einen eigenwilligen Moment der Umwandlung und des Eintauchens in aktuelle Probleme der gegenwärtigen Kultur und der zeitgenössischen Kunst im Besonderen. Jede Videoarbeit ist und zeigt ein künstlerisches Dokument eines Ortes, an dem unser persönliches Wahrnehmungskonzept, das oft auf Klischees basiert, scheitert und einer neuen Perspektive bedarf. Das Projekt konzentriert sich auf den Ort, den Topos, das lokale Ereignis, dem eine wachsende Bedeutung im Kontext der Globalisierung zukommt.
Initiatoren des Ausstellungsprojekts von Kamen Stoyanov waren die Galerie Vaska Emanouilova (Sofia) und die Internationale Elias Canetti Gesellschaft (Ruse).
Das Ausstellungsprojekt wurde von der Österreichischen Botschaft in Bulgarien und der Robert Bosch Stiftung gefördert.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Goethe-Institut Bulgarien und den Kunstgalerien in Sofia und Ruse.
Kamen Stoyanov, geb. 1977 in Ruse/Bulgarien, studierte an der Nationalen Kunstakademie in Sofia und an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Zurzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: The Academy of Fine Arts Award, Wien (2005); Young Author´s Award, Zone 1 at the Contemporary Art Fair, Wien (Viennafair 2007); Visual Arts Award, Wien (2007). Seine Arbeiten können u.a. in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Stadt Wien, dem Museum moderner Kunst (MuMoK, Wien) und anderen privaten Sammlungen besichtigt werden.