Filmtage – Kino „Balkani“ feat. Spomeni
Filmtage – Kino „Balkani“ feat. Spomeni
Dreitägiges Kinoprojekt mit Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilmen aus und über Südosteuropa zum Themenschwerpunkt „Erinnerungsräume“
Ein Projekt von Timo Köster, Kulturmanager-Alumnus an der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft, Ruse, Bulgarien
22.-24. Februar 2008 im Dramatischen Theater „Sava Ognianov“, Ruse
Erinnerung ist wie eine dritte Zeitdimension irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Erinnerung vergegenwärtigt Vergangenheit. Wir erinnern uns mal bewusst, mal unbewusst, mal privat, mal öffentlich, mal geplant, mal unwillkürlich. Mit der Erinnerung gestalten wir unsere Gegenwart und geben der Vergangenheit einen Sinn. Erinnerung braucht Raum. Filme öffnen und zeigen solche Erinnerungsräume.
Die Filmtage fokussierten die Individualität von Erinnerung im Rahmen aktueller Historisierungs- und Aufarbeitungsprozesse in Südosteuropa. Das Ende des Kommunismus und der damit verbundene Systemwechsel leiteten nicht nur politische und wirtschaftliche Umwälzungen ein, sondern erforderten auch ideologisch-weltanschauliche Umorientierungen. Im Ergebnis der kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er Jahren setzten im südosteuropäischen Raum Historisierungsprozesse ein, bei denen auch die jüngste Vergangenheit zum Gegenstand von Aufarbeitung jenseits aktuell-politischer Debatten gerät.
Die ausgewählten Dokumentar- und Spielfilme widmen sich der Faszination individueller Erinnerung und spüren Erinnerungsräume im Alltag auf, die abseits der offiziellen und institutionalisierten Erinnerungskultur bestehen. In einer Zeit, in der Öffentlichkeit ohne Medien nicht mehr vorstellbar ist, nimmt die Bedeutung von virtuellen „Erinnerungsräumen“ zu, in denen Zeitgeschichte vergegenwärtigt und reflektiert wird.
Die gezeigten Filme beschäftigen sich mit dem griechischen Bürgerkrieg, mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien, mit der sozialistischen Vergangenheit Bulgariens, aber auch mit Bruce Lee, Sokrates und Coca-Cola. Durch Rückkehr, Rituale, Geschichtenerzählung, Musik oder Alltagerlebnisse im Exil ereignet sich für die Protagonisten der Filme eine jeweils sehr persönliche Vergegenwärtigung der Vergangenheit.
Im Rahmen der Filmtage wurden insgesamt 11 prämierte Filme gezeigt, die schon erfolgreich auf verschiedenen Festivals gelaufen sind und einen facettenreichen Blick auf die zeitgenössische Filmkunst in Südosteuropa ermöglichten.
Bei einer Podiumsdisskusion zwischen der kroatischen Regisseurin Renata Poljak, Prof. Penka Angelova und Prof. Vladimir Sabourin und anschließendem Publikumsgespräch wurde mit Bezug auf den Film Renata Poljaks „Great Expentations“ u.a. über Erinnerung und Gewalt in der postkommunistischen Architektur in Kroatien diskutiert.
Nachstehende Filme wurden gezeigt:
A Cold Coke in the Days of the Cold War (BG)
Christmas Tree Upside Down (BG/D)
Sevdah – The Bridge that Survived (BiH)
Enter the Dragon (BiH)
Das Fräulein (D/CH/BiH)
Great Expectations (F/HR)
Children of 1948 (MK)
Meine Freunde spielen jetzt Serbenmusik (D/SCG)
Tomorrow Morning (SCG)
The Shutka Book of Records
Die Filmtage wurden vom Auswärtigen Amt und der Robert Bosch Stiftung gefördert.