Literarischer Frühjahrssalon Ruse 2008
Literarischer Frühjahrssalon Ruse 2008
Ein Projekt von Timo Köster, Kulturmanager-Alumnus an der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft, Ruse, Bulgarien
5./6.05.2008
Veranstaltungsorte: Club der Kulturschaffenden (Klub na kulturnite deijci), Kulturamt der Stadt Ruse, Kunstgalerie Ruse, Österreichbibliothek „Elias Canetti“
Im Rahmen des literarischen Frühjahrssalons 2008 präsentierte die Internationale Elias Canetti Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Stadt Ruse zwei Tage lang eine bunte Mischung erlesener Veranstaltungen rund um die Textkunst. An verschiedenen Orten der Stadt fanden insgesamt vier Lesungen, eine Fotoausstellung zum österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard, ein Poetry-Workshop mit anschließendem Slam sowie zwei szenische Lesungen statt. Eingeladen waren namhafte Autoren wie der Canetti-Preisträger Alek Popov sowie Angel Igov aus Sofia, die Poetin Tzveta Sofronieva aus Berlin, Xaver Bayer aus Wien, der 2008 mit dem Hermann-Lenz-Preis ausgezeichnet wurde sowie der Spoken-Word-Künstler Frank Klötgen aus Berlin.
Die Lesungen
Mit den Lesungen der bulgarischen Autoren Angel Igov und Alek Popov wurde der literarische Frühjahrssalon eröffnet. Angel Igov las aus seinem noch nicht veröffentlichten Roman (Arbeitstitel: „Čušbina“/“Ausland“). Alek Popov las aus seinem jüngsten und prämierten Werk „Černata kutija“. Anlässlich der Lesung wurde auch die deutschsprachige Ausgabe des Buches von Vertretern des herausgebenden Residenz-Verlag (Österreich) persönlich in Ruse vorgestellt. Am zweiten Tag des literarischen Salon las Tzveta Sofronieva aus ihrer Erzählung „Trost“ und verschiedene Gedichte aus ihren in Deutschland oder Bulgarien erschienen Gedichtbänden. Mit einer deutschsprachigen Lesung von Xaver Bayer endete die Lesereihe des Salons. Xaver Bayer las drei neue Erzählungen und konnte deren Veröffentlichung im Erzählband „Die durchsichtigen Hände“ im Herbst 2008 ankündigen.
Der Workshop und der Poetry Slam
Unter dem Titel „Verbotene Worte“ wurde ein eintägiger Lyrik-Workshop mit anschließendem Poetry Slam organisiert.
Seit Mitte der 1990er Jahre ist das Veranstaltungsformat des Poetry Slams in Deutschland zu finden. In Bulgarien ist der Poetry Slam nicht völlig unbekannt, jedoch existiert eine kleine Szene nur in der Hauptstadt Sofia. In Ruse sollte eine derartige Veranstaltung nun zum ersten Mal stattfinden. Es war ein Anliegen dieses Projektes, den Trend aus Deutschland nach Ruse zu holen und neues Interesse für die Dichtkunst aus Deutschland und Bulgarien zu wecken. Mit Tzveta Sofronieva konnte eine Autorin den Workshop leiten, die selbst auf Bulgarisch und auf Deutsch schreibt und die sich als Herausgeberin der Anthologie „Verbotene Worte“ intensiv mit den Themen Macht der Erinnerung in der Sprache und Mehrsprachigkeit auseinandergesetzt. Während des vorbereitenden Workshops konnten unter ihrer Anleitung und dem Motto „Verbotene Worte“ assoziativ-thematische Gedichte und andere Kurztexte entstehen. 15 bulgarischsprachigen Teilnehmern aus Sofia, Ruse und Deutschland wurde so die Möglichkeit geboten, über Mutter- und Fremdsprache zu reflektieren und gleichzeitig damit zu arbeiten. Frank Klötgen brachte den Teilnehmern das Format des Poetry Slams näher und bereitete sie auf den Vortragswettbewerb vor.
Tzveta Sofronieva moderierte zusammen mit Frank Klötgen den Poetry Slam. Beide trugen zudem außer Konkurrenz einige ihrer eigenen Texte vor. Frank Klötgens Performance war sicherlich ein Highlight des Abends. Doch vor allem den Teilnehmern des Workshops, die am Abend alle bereit waren, ihre frischen Texte zu präsentieren, galt die größte Bewunderung von Seiten des begeisterten Publikums. Die aus dem Publikum ermittelte fünfköpfige Jury entschied sich für drei Gewinner, die alle mit Buchspenden der anwesenden Salon-Autoren prämiert werden konnten.
Die szenischen Lesungen
Mit zwei szenischen Lesungen in der städtischen Kunstgalerie Ruse wurde der literarische Frühjahrssalon 2008 abgerundet. Die szenischen Lesungen beschränkten sich nicht allein auf das Vorlesen von Textauszügen, sondern bewegten sich in einem interessanten Zwischenstadium zwischen Lesung und Bühnenaufführung. Die Regisseurin Dana Dobreva aus Sofia inszenierte mit drei jungen Schauspielern aus Ruse Xaver Bayers Stück „Als ich heute aufwachte, aufstand und mich wusch, da schien mir plötzlich, mir sei alles klar auf dieser Welt und ich wüsste, wie man leben soll“ in bulgarischer Übersetzung. Mit wenigen Requisiten, Film, Musik und projiziertem Text inszenierte sie eine gelungene Atmosphäre für den am Nerv der Zeit liegenden Text. Regisseur Alexander Berovski inszenierte mit Schauspielern des Theaters „Sava Ognjanov“ in Ruse Auszüge des Radiostücks „Dinner is ready!“ von Alek Popov.
Konzeption und Realisierung: Internationale Elias Canetti Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Ruse
Die Veranstaltungen wurden gefördert von: Auswärtiges Amt, Deutsche Botschaft in Sofia, Österreichische Botschaft in Sofia, Robert Bosch Stiftung, Stadt Ruse.
Mit freundlicher Unterstützung von: Kunstgalerie Ruse, Club der Kulturschaffenden, Theater „Sava Ognjanov“ Ruse, Residenz Verlag (Wien).