Literaturstadt Czernowitz
Literaturstadt Czernowitz
Ein Projekt von Bernd Böttcher, Kulturmanager-Alumnus am Bukowina Zentrum
Ausstellungseröffnung: 25. September 2007
Die Idee zum Projekt „Literaturstadt Czernowitz“ bestand bei den Mitarbeitern des Bukowina Zentrums schon lange: Das, wofür Czernowitz weltweit berühmt ist, Ort verschiedensprachigen literarischen Wirkens zu sein, sollte an Beispielen verdeutlicht und für ein breites Publikum zugänglich werden. Den Lesern dieser Stadt sollten ihre Autoren unterschiedlicher Epochen und Zeiten nahegebracht werden. Ab Herbst 2005 wurde der Plan konkreter verfolgt und eine Ausstellung mit Begleitband konzipiert.
Mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Kiew, der Robert Bosch Stiftung und der Georg Drozdowski Gesellschaft in Klagenfurt/Kärnten konnten ein Band mit Autorenportraits und kurzen Textbeispielen veröffentlicht sowie 30 Tafeln erstellt werden, die 27 Czernowitzer Autoren und Dichter vorstellen, denen ein bedeutender Beitrag zur lokalen und europäischen Literatur zu verdanken ist. Die präsentierten Dichter und Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts wurden entweder in der Bukowina geboren oder haben hier ihre zweite, intellektuelle Heimat gefunden. Viele ihrer Namen sind bekannt, und mit diesen entdecken wir andere, bislang weniger bekannte: Neben Jurij Fedkowytsch und Olga Kobyljanska treten in der Ausstellung Paul Celan und Rose Ausländer, Josef Burg erscheint zusammen mit etwa Karl Emil Franzos oder Alfred Margul Sperber und Selma Meerbaum-Eisinger.
Die Texte, die der Czernowitzer Literaturwissenschaftler und Kenner deutschsprachiger und jüdischer Literatur der Bukowina Dr. Petro Rychlo zusammengestellt hat, werden durch zahlreiche Fotografien und Abbildungen, etwa Umschläge von Erstausgaben und Portraits, illustriert. Die grafische Gestaltung übernahm der Künstler Oleh Lubkiwski.
Dr. Petro Rychlo zitiert in seiner Einleitung zu „Literaturstadt Czernowitz“ den deutschsprachigen Dichter Alfred Kittner: „Als ich, etwa 13 Jahre alt, zum ersten Mal jene Wohnung [seines Schulfreundes] betrat, erblickte ich voller Staunen vier Gipsköpfe, die feierlich auf dem Speisezimmerschrank thronten und sich bei näherer Betrachtung als die aus Gips gefertigten Konterfeis der Nationaldichter der vier wichtigsten die Bukowina bewohnenden Volksgruppen erwiesen: des Deutschen Friedrich Schiller, des Ukrainers Taras Schewtschenko, des Polen Adam Mickiewicz und des Rumänen Mihai Eminescu, woraus sich ersehen lässt, dass das Schrifttum in dеr Bukowina keineswegs auf einen deutschen Beitrag beschränkt blieb, sondern sich […] in diesem Schmelztiegel der Nationen im Wettstreit mit anderssprachigen Literaturen entwickelte, wie auch, dass das lebendige Interesse an der Literatur bis in die Kleinbürgerstuben drang und Bestand ihres Alltags bildete, denn der Besitzer dieser stolzen Gipsköpfe war keineswegs ein Intellektueller, sondern ein schlichter Speisewirt, Inhaber einer vegetarischen Küche.
Zentrales Anliegen des Projektes war es, diese ethnische Vielfalt in der Literatur zu zeigen, die den Stil und Charakter der Literaturstadt Czernowitz erst wirklich prägte. Die literarische Atmosphäre der Stadt Czernowitz in vergangenen Zeiten sollte ins Bewusstsein gerufen werden. Doch sie richtet sich nicht nur an diejenigen, denen die Dichter der unterschiedlichen Sprachen der Bukowina bereits bekannt sind, sondern ausdrücklich auch an solche Bibliotheksbesucher, die ohne vielleicht damit zu rechnen auf diese Weise unbeabsichtigt Neues über ihre Heimatstadt erfahren.
Ein Projekt von Bernd Böttcher, Kulturmanager-Alumnus am Bukowina Zentrum
Ausstellungseröffnung: 25. September 2007
Die Idee zum Projekt „Literaturstadt Czernowitz“ bestand bei den Mitarbeitern des Bukowina Zentrums schon lange: Das, wofür Czernowitz weltweit berühmt ist, Ort verschiedensprachigen literarischen Wirkens zu sein, sollte an Beispielen verdeutlicht und für ein breites Publikum zugänglich werden. Den Lesern dieser Stadt sollten ihre Autoren unterschiedlicher Epochen und Zeiten nahegebracht werden. Ab Herbst 2005 wurde der Plan konkreter verfolgt und eine Ausstellung mit Begleitband konzipiert.
Mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Kiew, der Robert Bosch Stiftung und der Georg Drozdowski Gesellschaft in Klagenfurt/Kärnten konnten ein Band mit Autorenportraits und kurzen Textbeispielen veröffentlicht sowie 30 Tafeln erstellt werden, die 27 Czernowitzer Autoren und Dichter vorstellen, denen ein bedeutender Beitrag zur lokalen und europäischen Literatur zu verdanken ist. Die präsentierten Dichter und Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts wurden entweder in der Bukowina geboren oder haben hier ihre zweite, intellektuelle Heimat gefunden. Viele ihrer Namen sind bekannt, und mit diesen entdecken wir andere, bislang weniger bekannte: Neben Jurij Fedkowytsch und Olga Kobyljanska treten in der Ausstellung Paul Celan und Rose Ausländer, Josef Burg erscheint zusammen mit etwa Karl Emil Franzos oder Alfred Margul Sperber und Selma Meerbaum-Eisinger.
Die Texte, die der Czernowitzer Literaturwissenschaftler und Kenner deutschsprachiger und jüdischer Literatur der Bukowina Dr. Petro Rychlo zusammengestellt hat, werden durch zahlreiche Fotografien und Abbildungen, etwa Umschläge von Erstausgaben und Portraits, illustriert. Die grafische Gestaltung übernahm der Künstler Oleh Lubkiwski.
Dr. Petro Rychlo zitiert in seiner Einleitung zu „Literaturstadt Czernowitz“ den deutschsprachigen Dichter Alfred Kittner: „Als ich, etwa 13 Jahre alt, zum ersten Mal jene Wohnung [seines Schulfreundes] betrat, erblickte ich voller Staunen vier Gipsköpfe, die feierlich auf dem Speisezimmerschrank thronten und sich bei näherer Betrachtung als die aus Gips gefertigten Konterfeis der Nationaldichter der vier wichtigsten die Bukowina bewohnenden Volksgruppen erwiesen: des Deutschen Friedrich Schiller, des Ukrainers Taras Schewtschenko, des Polen Adam Mickiewicz und des Rumänen Mihai Eminescu, woraus sich ersehen lässt, dass das Schrifttum in dеr Bukowina keineswegs auf einen deutschen Beitrag beschränkt blieb, sondern sich […] in diesem Schmelztiegel der Nationen im Wettstreit mit anderssprachigen Literaturen entwickelte, wie auch, dass das lebendige Interesse an der Literatur bis in die Kleinbürgerstuben drang und Bestand ihres Alltags bildete, denn der Besitzer dieser stolzen Gipsköpfe war keineswegs ein Intellektueller, sondern ein schlichter Speisewirt, Inhaber einer vegetarischen Küche.
Zentrales Anliegen des Projektes war es, diese ethnische Vielfalt in der Literatur zu zeigen, die den Stil und Charakter der Literaturstadt Czernowitz erst wirklich prägte. Die literarische Atmosphäre der Stadt Czernowitz in vergangenen Zeiten sollte ins Bewusstsein gerufen werden. Doch sie richtet sich nicht nur an diejenigen, denen die Dichter der unterschiedlichen Sprachen der Bukowina bereits bekannt sind, sondern ausdrücklich auch an solche Bibliotheksbesucher, die ohne vielleicht damit zu rechnen auf diese Weise unbeabsichtigt Neues über ihre Heimatstadt erfahren.
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Moses Rosenkranz