livingROOMS
1. April 2008
livingROOMS ist das Stück zum größten deutschen Mysterium: Gemütlichkeit. Was ist das eigentlich: Zuhause? Wo fängt die Privatsphäre an? Und was passiert, wenn ein Fremder darin eindringt?
Das erste bei eBay zu ersteigernde Theaterstück der Welt konnte erstmals im Ausland aufgeführt werden.
Wir versteigerten livingROOMS zum symbolischen Preis – gewinnen sollte das kreativste Angebot. Angebote waren unter anderem ein Begrüßungscocktail „Trabant“, eine echte Plattenbauwohnung, Empfang durch eine Marlene-Dietrich-Imitation. Wir sind aber trotzdem sicher, mit der Hausgemeinschaft Fibich (Name der Straße) die besten Gastgeber ausgewählt zu haben.
Für alle Gäste stand wunderbares Gulasch und frisch gezapftes Bier und Limo zur Verfügung. Aber das war sicher das Leichteste, was die Familie und die Wohngemeinschaft in der Fibich-Villa unter der Ferdinandshöhe anbieten „musste“. Komplett fremde Menschen kamen in ihr Haus und zwei fremdsprachige Schauspieler, Christian Banzhaf und Christiane Roller, agierten, ohne die Wohnung je zuvor gesehen zu haben, furios in den vier Räumen, bauten tschechische Worte ein, improvisierten mit Gegenständen und Personen. Zuschauer wurden eingespannt und damit zu Komplizen des GEZ-Prüfers, der erst unabsichtlich, dann aber gewollt in der Wohnung Ellie Kölmels blieb. Frau Kölmel nahm im Laufe des Stückes ihren ungebetenen Gast wahr und trat in einen indirekten, später direkten Dialog mit ihm.
Obwohl wir nur ein kleines Publikum mit der direkten Aufführung erreichten, ist livingROOMS ein großer Erfolg für das Collegium Bohemicum. Nachhaltig wurden Kontakte geknüpft und intensiveren Kontakt zwischen Deutschen und Tschechen als bei dieser Aufführung kann man kaum herstellen.
Für die Zuschauer war es ein intensives Erlebnis. Das Thema Fremdsein hatte durch die doppelte Bedeutung des Fremden, des Ausländischen im tschechischen Kontext, eine sehr intensive Wirkung, die von jedem Zuschauer verspürt wurde, weil sie ebenfalls fremd waren in der Wohnung. Sie wurden einbezogen, die Bühne war nicht abgehoben, sondern das eigene Wohnzimmer, die Requisiten die eigene Zahnbürste. Am Ende der fast zweistündigen Aufführung waren alle Teil des Spiels geworden.
Reaktionen einiger Zuschauer:
„Gewöhnlich gehe ich ja davon aus, dass die Kunst eigentlich
vergangen ist (schon der größeren Bequemlichkeit wegen), aber am
Dienstag, wo ich mir in einer fremden Wohnung und mit all den fremden
Menschen, dann plötzlich wie Zuhause vorkam, da war sie dann doch
wieder wie gegenwärtig – eine Art Gesamtkunstwerk, der Abend, könnte man
meinen.“
„Vielen Dank für das wunderschöne Erlebnis, es war ganz einfach genial und für mich das stärkste Theatererlebnis. Echt klasse. Danke!!!“
Fotos: http://www.kafik.com/