Selma – Blütenlese
Ein Projekt von Bernd Böttcher, Kulturmanager-Alumnus am Bukowina Zentrum, Czernowitz/Tscherniwzi, Ukraine
Konzertabend für Selma Meerbaum-Eisinger
17. Oktober 2007
Unter dem Namen „Selma – Blütenlese“ präsentierten die deutsche Sängerin und Komponistin Stefanie Saß und die weißrussische Gruppe „Nagual“ am 17. Oktober 2007 im Palac Akademiczny einen Konzertabend, der der Czernowitzer Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger gewidmet war. Das Konzert wurde vom Bukowina Zentrum veranstaltet und fand im Rahmen einer Tournee durch die Ukraine, Moldawien, Rumänien und Belarus statt.
Während des Auftrittes sprach der Produzent und Moderator des Abends, Wolfgang Häntsch, über das tragische Schicksal von Selma Meerbaum-Eisinger. Die Nichte Paul Celans kam 1924 in Czernowitz zur Welt und starb 1942 im Alter von 18 Jahren in einem deutschen Arbeitslager. Sie hinterließ 57 Gedichte, die heute zur Weltliteratur gezählt werden. Die Texte der Czernowitzer Dichterin beeindruckten Stefanie Saß, eine junge deutsche Sängerin und Komponistin. Sie vertonte zahlreiche der Gedichte Meerbaum-Eisingers und trug sie gemeinsam mit Nagual vor. Zusammen bildeten die Musiker ein eindrucksvolles Ensemble, das hier in Czernowitz erstmals gemeinsam auftrat.
Stefanie Saß wurde in Berlin geboren und verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung an vielen Instrumenten. Sie schrieb alle Lieder zu diesem Abend. Nagual, in ihrer Heimat für unkonventionelle, experimentelle Musik bekannt, spielten bislang auf über 400 Konzerten in sechs Ländern; in den vergangenen Jahren brachten sie zwei Alben heraus: „Вершки корешки“ (2004) und „У земли под юбкой“ ( „Unter den Rockschößen der Erde“, 2005). Sich selbst bezeichnen sie als „Ethno-surrealistisches Ensemble, das Psycho-Folk spielt“. Die unterschiedliche Herkunft und die verschiedenen Erfahrungen der Mitglieder dieser Gruppe tragen zum Erfolg ihrer Musik bei, mit der sie an die verlorengegangene Vielfalt in Mittel- und Osteuropa am Beispiel von Selma Meerbaum-Eisinger anschließen wollen.
Die zahlreichen Besucher des Konzertabends – der Saal war fast bis zum letzten Platz gefüllt – waren von der zärtlichen Lyrik der Czernowitzer Dichterin und der Interpretation durch die jungen Künstler berührt. Der Abend changierte zwischen Musik und Performance, denn Stefanie Saß sang während ihres Auftrittes nicht nur, sondern begleitete sich auch auf Violine, Gitarre und Flügel. Hinzu kam die Gruppe Nagual, die durch den Einsatz besonderer Instrumente das Publikum nicht weniger beeindruckte als die Sängerin.
Das Konzert wurde anschließend in anderen osteuropäischen Städten fortgesetzt, so etwa in Iasi (Rumänien), Chişinău (Republik Moldowa), Kiew (Ukraine) und Minsk (Belarus). Es wurde in Czernowitz möglich dank der Unterstützung der Deutschen Botschaft Kiew und der Robert Bosch Stiftung.